Österreicher als Pioniere
Derartige Vorbehalte allerdings scheinen internationale Investoren nicht zu schrecken, im Gegenteil: Als 2003 die österreichische CA Immo das „Opera Center“ in Bukarest erwarb, war dies das erste größere internationale Investment auf dem rumänischen Büroimmobilienmarkt. Europolis und ImmoEast – ebenfalls aus Österreich – folgten wenig später. Die Europolis hat mit dem Erwerb des künftigen Sema Parc für schätzungsweise 90 Millionen Euro jüngst das bislang größte internationale Investment auf dem Büromarkt getätigt. Sema Parc entsteht auf einem 43 Hektar großen ehemaligen Industriegelände, dessen Umnutzung im August 2006 begann. In der ersten Phase entstehen zwei Bürogebäude mit insgesamt 42.000 Quadratmeter Mietfläche: das Courtyard Building (15.000 Quadratmeter) soll Mitte 2007 fertig gestellt werden, das City Building (27.000 Quadratmeter) Mitte 2008.
Inzwischen suchen auch andere internationale Investoren in Rumänien nach Alternativen zu den etablierten west- und mitteleuropäischen Märkten. Dabei konzentriert sich das Interesse zwar bisher auf die Hauptstadt Bukarest, doch zunehmend rücken auch andere regionale Oberzentren wie Cluj, Brasov und Constanta ins Blickfeld der Investoren. Vor allem Timisoara im Westen des Landes ist die Stadt, die sich nach Bukarest am dynamischsten entwickelt. Dem wachsenden internationalen Interesse an Immobilieninvestitionen in Rumänien steht ein Mangel an geeigneten Objekten gegenüber. Hier haben die früh in den Markt eingetretenen Österreicher den „Neuankömmlingen“ bereits die besten Brocken weggeschnappt. Immer öfter steigen Investoren daher bereits während, wenn nicht sogar schon vor Beginn einer Projektentwicklung ein – eine Strategie, die insofern viel versprechend ist, als sich in allen Immobilienbereichen eine Vielzahl von Projekten in der Pipeline befindet.
Im ersten Halbjahr 2006 kamen nach Angaben von CB Richard Ellis (CBRE) in Bukarest 151.000 Quadratmeter Bürofläche neu auf den Markt. Insgesamt hat der moderne Büroflächenbestand in der rumänischen Hauptstadt die Grenze von einer Million Quadratmeter überschritten – davon entspricht gut ein Drittel dem gehobenen internationalen Standard (Class A). Ebenfalls gestiegen sind auch die Leerstandsraten – bei den modernen Flächen internationalen Standards von einem Prozent Ende 2005 auf knapp vier Prozent. Doch hängt dies nach Einschätzung von CBRE weniger mit einer mangelnden Nachfrage als damit zusammen, dass die Vermieter möglichst langfristige Mietverträge – nicht unter fünf Jahren – abschließen möchten, die Mieter dagegen sich maximal für drei Jahre binden wollen. Die Mieten für Class A-Flächen liegen unverändert bei 18,50 bis 19 Euro pro Quadratmeter und Monat, dürften aber zunehmend unter Druck geraten. Allein 2007 sollen nach bisherigen Planungen weitere rund 400.000 Quadratmeter Bürofläche neu auf den Markt kommen, davon gut 80 Prozent Flächen internationalen Standards.