Von Amina Meineker
Februar 2007
Erfolg auf dem indischen Subkontinent bedarf der differenzierten Analyse aller Teilmärkte und der Bereitschaft zu einem langfristigen Engagement.
 |
|
Foto: Die „Forum Mall“ im Stadtteil Koramangala im Süden von Bangalore: Wo zunächst riesige Bürokomplexe entstehen, folgen wenig später Einzelhandels- und Wohnprojekte.
|
|
Seit Beginn der wirtschaftlichen Reformen zu Beginn der 90er Jahre ist Indiens Wirtschaft jährlich um sechs Prozent, in den letzten drei Jahren sogar um acht Prozent gewachsen. Heute ist Indien die elftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Goldman Sachs erwartet, dass die Summe des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von Brasilien, Russland, Indien und China BRICs) in 35 Jahren die BIP-Summe der G8-Staaten übertrifft. Das bedeutet eine massive Verschiebung der Gewichte in der Weltwirtschaft.
War das 19. Jahrhundert das Jahrhundert Europas und das 20. Jahrhundert das der USA, so wird das 21. Jahrhundert das Jahrhundert Asiens sein. Und Asien wird dominiert von China und Indien – schon allein die Größe der beiden Länder trägt dazu bei. Indien hat rund 1,2 Milliarden Einwohner und wird derzeit nur noch von China übertroffen. 75 Prozent aller Inder sind jünger als 40 Jahre. Indiens Mittelklasse umfasst etwa 300 Millionen Menschen und ist damit größer als die Gesamtbevölkerung der USA. Anderseits: Obwohl die Reichen Indiens zu den Reichsten der Welt gehören, leben 250 Millionen Einwohner des Landes unter der Armutsgrenze.
Ziel: mehr als zehn Prozent Wachstum
Indien ist ein stolzes Land, aber nicht zu stolz, die Besten in der Welt um Rat zu bitten. So hat die indische Regierung internationale best-practice-Vergleiche angestellt und die jeweiligen Experten gebeten, an Lösungen für Indien mitzuwirken. Ministerpräsident Dr. Manmohan Singh hat – unter anderen – auch George Soros befragt, was Indien unternehmen kann, um die Zehn-Prozent-Marke beim jährlichen Wirtschaftswachstum zu durchbrechen. Denn Hauptziel der indischen Regierung für die nächsten fünf Jahre ist es, das hohe Wirtschaftswachstum nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern noch zu beschleunigen und zugleich die positiven Effekte dieses Wachstums gleichmäßiger auf Indiens Bevölkerung zu verteilen. Eine der größten Hürden auf dem Weg zu diesem Ziel ist die Verbesserung der mittelmäßigen bis schlechten indischen Infrastruktur.