Kulturelle Unterschiede
Geschäfte in einem bis dato unbekannten Land zu tätigen ist immer eine Herausforderung: Die Gepflogenheiten der indischen Immobilienbranche beinhalten so genannte „stamp taxes“, die die Markttransparenz beeinträchtigen, unklare Eigentumsverhältnisse und Beschränkungen bei der Kapitalrückführung (Mindestinvestitionsdauer: drei Jahre). Es gibt keine landesweiten Qualitätsstandards für die Bauwirtschaft, und kulturelle Unterschiede können Reibungsverluste verursachen. Während westliche Geschäftsleute sich gerne auf ihre jeweilige Aufgabe konzentrieren und persönliche Beziehungen im Rahmen der Zusammenarbeit aufbauen, tendieren indische Geschäftsleute dazu, zunächst die persönlichen Beziehungen zu entwickeln, um dann – gegebenenfalls – auf der Basis des gewonnenen Vertrauens gemeinsam konkrete Geschäfte zu tätigen. Während man im Westen die realistische Selbsteinschätzung eines potenziellen Partners zu schätzen weiß, ist es in Indien beinahe beschämend zuzugeben, dass man zu etwas nicht in der Lage ist. Die Standardantwort auf jede Anfrage ist daher: „Kein Problem“, was später allerdings sehr wohl zu Problemen führen kann. Nichtsdestotrotz – die zunehmende Erfahrung im Umgang mit westlichen Geschäftpartnern und Arbeitgebern führt dazu, dass Indiens Geschäftswelt die westliche Arbeitsethik sowie die Erwartungen bezogen auf Qualität und Produktivität immer vertrauter werden – und umgekehrt.
Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Indiens Wirtschaft und die indischen Immobilienmärkte ist das Offshoring. In AT Kearney’s „Offshore Location Attractiveness Index“ ist Indien eindeutiger Sieger, mit einigem Abstand gefolgt von China. Tatsächlich ist Indien Ziel für 65 Prozent des weltweiten Offshoring-Marktes. Jedes Jahr absolvieren 2,5 Millionen junge Inder erfolgreich ihr Studium an einer der über 500 indischen Universitäten. 350.000 der Absolventen sind Ingenieure (im Vergleich zu 70.000 Ingenieuren jährlich in den USA und rund 100.000 in Europa). Indiens Akademiker sind bestens ausgebildet, hochmotiviert, sprechen fließend Englisch und verlangen nur einen Bruchteil des Gehalts einer vergleichbaren Arbeitskraft in Westeuropa oder den USA. Unternehmen aus aller Welt kommen nach Indien und stellen sie ein. Sie lagern seit über einem Jahrzehnt ihren IT- Support und andere geeignete Geschäftsprozesse nach Indien aus.