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Foto: Fünf-Sterne-Deluxe- Hotels wie das „Taj Mahal Palace“ in Mumbai werden in indischen Städten auch künftig noch entstehen. Budget-Hotels dagegen, die hier ebenfalls gute Chancen hätten, verwehren die hohen Preise für Grund und Boden den Zugang.
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Marktöffnung und eine neue Mittelschicht treiben die Entwicklung des indischen Immobilienmarkts an und ließen ihn in den vergangenen drei Jahren eine Entwicklung erleben, für die er zuvor ein halbes Jahrhundert brauchte.
Der Immobilienmarkt Indiens kennt kein Halten mehr. Die neue Mittelschicht katapultiert den Einzelhandel in neue Dimensionen. Hypothekenkredite haben 2005 um 45 Prozent zugenommen. Investoren aus Südostasien, dem Nahen Osten, Europa und den USA jagen guten Deals hinterher wie einst die Goldgräber am Klondike dem Traum vom schnellen Reichtum. Der Run auf indische Immobilien hat im vergangenen Jahr die Preise in Mumbai, Delhi und Bangalore um mehr als 35 Prozent steigen lassen, bei einigen Bürokomplexen haben sie sich im Verlauf der Bauphase sogar verdoppelt. Die Preisrallye hat ein Niveau erreicht, das vielen geplanten Budget-Hotels bereits den Zugang zu den großen Städten verwehrt. Auch Wal-Mart und Carrefour werden mit ihren riesigen Märkten in die Vorstädte gehen müssen, wenn die Preise bis zur Öffnung des Einzelhandelssektors in diesem Tempo weiter steigen. Erste Insider beklagen, dass die zunehmende Knappheit an erschwinglichen Grundstücken dem Wachstum des Landes Grenzen zu setzen beginnt.
Die Regierung in Delhi hat 2005 mit der Öffnung des Marktes begonnen. Ausländische Direktinvestitionen – in Büroimmobilien bislang nicht erlaubt – werden jetzt in Vororten und Innenstädten genehmigt. Ebenso können in kleineren Städten auch Wohnimmobilien erworben und Shopping Malls zu 100 Prozent übernommen werden. Nach einer Studie von Merrill Lynch wird sich die Zahl der Malls in Delhi, Mumbai, Bangalore, Hyderabad und Puna bis 2010 auf 250 vervierfachen.
„Der Immobiliensektor hat in den letzten drei Jahren ein Wachstum erlebt, für das er zuvor 50 Jahre brauchte“, berichtet Anshuman Magazine, Geschäftsführer von CB Richard Ellis in Indien. Getragen von einem Wirtschaftswachstum von acht Prozent nehmen die Investitionen in Büroimmobilien jedes Jahr um 13 bis 14 Prozent zu. Wohnimmobilien erleben einen Boom, der angeheizt wird von steigenden Einkommen, wachsender Konsumneigung und sinkenden Zinsen. Im vergangenen Jahr zog dieses Segment das meiste Kapital im Land auf sich. Kein Wunder, denn nach einer Studie von Cushman & Wakefield fehlen allein in den Ballungsgebieten zwölf Millionen Wohnungen und sollen in 35 Städten Indiens in den kommenden fünf Jahren 400 neue Stadtteile entstehen, jeder mit einer halben Million Einwohnern.
Auf dem Markt für Büroimmobilien werden bis 2008 über sechs Millionen Quadratmeter Fläche hinzukommen. Davon werden 70 Prozent allein der IT-Sektor und die Outsourcing- Unternehmen aufnehmen. Das Investment in Gewerbeimmobilien beträgt jährlich mindesten fünf Milliarden USDollar. Experten gehen davon aus, dass sich in den nächsten vier Jahren der Bestand an Büroflächen um rund 200 Prozent erhöht.
Im März wurde bekannt gegeben, dass Morgan Stanley Real Estate 68 Millionen US-Dollar in Mantri Developers investiert hat, einen privaten Immobilienentwickler aus Bangalore, der sich auf Wohn- und Büroimmobilien spezialisiert hat. Die Private Equity Group Chatterjee aus New York plant 450 Millionen US-Dollar in indische Immobilien zu investieren. Trinity Capital aus Großbritannien will ebenfalls Fondsmittel in Indien anlegen. Die American Insurance Group, der weltweit größte Versicherer, kündigte Ende März an, in Indien eine eigene Immobilien-Entwicklungsgesellschaft und das dazugehörige Finanzierungsunternehmen gründen zu wollen. Der größte Pensionsfonds der USA, California Public Employees’ Retirement System – kurz: CalPERS – will bis zu 400 Millionen US-Dollar investieren, um Häuser und Wohnungen in Delhi, Bangalore und Mumbai zu bauen und erwartet sich davon Renditen von 15 Prozent.
Von Markus Gärtner