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Quelle: Colliers International |
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Quelle: Colliers International
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Foto: Ende 2006 soll der Erweiterungsbau der Chinesischen Nationalbibliothek in Peking eröffnet werden. Den internationalen Wettbewerb für den 78.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche umfassenden Neubau hatte das deutsche Architekturbüro KSP Engel & Zimmermann gewonnen.
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In Shanghai umfassten die Immobilientransaktionen im März 1,8 Millionen Quadratmeter, 119 Prozent mehr als im Vormonat. Die Preise für gewerbliche Immobilien kletterten allein im Verlauf des März um bis zu 25 Prozent. Erstmals seit Monaten müssen Kaufinteressenten für Apartments in nicht fertig gestellten Neubauten wieder Tickets erwerben, um bei den überfüllten Auktionen mitbieten zu können, so groß ist der Andrang schon wieder geworden. „China wird 2006 einer der aufregendsten Märkte in Asien und auf der ganzen Welt“, prophezeit Richard Johnson, Managing Director bei Jones Lang LaSalle vorher. Internationale Fonds und Investmentbanken strömen zunehmend in den Markt.
In Peking sind innerhalb der vierten Ringstraße kaum noch Gewerbeflächen für unter 750 US-Dollar pro Quadratmeter zu haben. In Guangzhou, der Hauptstadt der Boomprovinz Guangdong gegenüber von Hongkong, stiegen die Durchschnittspreise für Wohnimmobilien in den ersten drei Monaten des Jahres um 14 Prozent auf 935 Dollar pro Quadratmeter.
Zu der raschen Wende am Immobilienmarkt trugen mehrere Faktoren bei. Dazu gehören zum einen die wieder auflebenden Gerüchte um eine Aufwertung der Landeswährung, des Renminbi Yuan. Die Notenbank hatte ihn am 21. Juli 2005 überraschend um 2,1 Prozent aufgewertet, seitdem hat die Währung erneut um drei Prozent an Wert gewonnen. Weil das Defizit der USA im Handel mit China 2005 um 25 Prozent auf knapp 202 Milliarden US-Dollar stieg, fordern Kongress und Regierung in Washington in immer schärferer Form eine kräftige Aufwertung des Renminbi Yuan. Das lässt vor allem ausländische Investoren – darunter westliche Investmentbanken und viele der 60 Millionen Auslandschinesen – auf weitere mögliche Wechselkursgewinne hoffen.
Ein zweiter Faktor ist, dass Chinas Nationaler Volkskongress im März 2006 mit dem neuen Fünf-Jahres-Plan bis 2010 eine kräftige Ankurbelung des privaten Konsums im Land versprochen hat. Viele Immobilieninvestoren hoffen, dass kräftige Subventionen und Einkommenssteigerungen im chinesischen Hinterland einen ähnlichen Boom wie an der Küste entfachen. (Das ist der Grund, warum derzeit die höchsten Preissteigerungen vor allem in den aufstrebenden „secondtier cities“, nicht nur im Speckgürtel rund um Shanghai, zu beobachten sind.) Davon profitiert vor allem Hangzhou in der Provinz Zhejiang, das zu den fünf beliebtesten Tourismuszielen in China gehört. Ebenfalls im März genehmigte Chinas Führung die Verlängerung der Transrapid-Trasse von Shanghai nach Hangzhou, was die Fahrzeit zwischen beiden Städten von zwei Stunden auf 27 Minuten verkürzt und Hangzhou noch stärker in das Umfeld Shanghais einbezieht. Viel Aufmerksamkeit zieht derzeit auch Macau auf sich, wo private und staatliche Investoren für 24 Milliarden US-Dollar Investitionen planen, um die Stadt zu einem Konferenz- und Kasinostandort von Weltklasse auszubauen.
Schwierige Gratwanderung
Der dritte wichtige Grund für die rasche und rasante Wende auf Chinas Immobilienmarkt sind Befürchtungen in Chinas Führung, eine deutliche Korrektur des Marktes könnte der Volkswirtschaft schaden. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, Chinas oberste Planungsbehörde, änderte im März die Vorgabe für ihre Makro-Steuerung des Immobilienmarktes von „drosseln“ auf „ankurbeln.“ Yin Zhongli, ein Immobilienexperte an der Akademie der Wissenschaften, führt den Kurswechsel darauf zurück, dass Peking die Bauwirtschaft und die Banken nicht einer größeren Korrektur des Immobilienmarktes aussetzen will. Ein Bericht der People's Bank of China – Chinas Zentralbank – hatte kürzlich intern für Aufsehen gesorgt. Danach ist die Leerstandsrate für gewerbliche Immobilien im vergangenen Jahr um 15,7 Prozent gestiegen. Das Statistikbüro wies zur gleichen Zeit darauf hin, dass landesweit 170 Millionen Quadratmeter Land, die Hälfte der zur Bebauung freigegebenen Fläche, ungenutzt blieb. Das schürte die Angst vor Problemen bei den Developern. Chinas Führung hat sich mit der Steuerung des Immobilienmarktes auf eine schwierige Gratwanderung eingelassen. Einerseits hofft sie, dass die Expansion des Marktes die private Nachfrage im Land beflügeln kann. China braucht eine verstärkte private Nachfrage, um zum einen ein dauerhaft hohes Wachstum zu erzielen, zum andern seine explosionsartig wachsenden Exporte zu zähmen, die immer öfter Konflikte mit den Handelspartnern schüren. Andererseits muss der Markt aber „gesund und geordnet“ wachsen, um einen Crash zu verhindern.
Langfristig gelten die Aussichten des chinesischen Marktes als glänzend. So soll sich bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts die Urbanisierungsrate verdoppeln. Rund 300 Millionen Chinesen sollen in die Ballungszentren strömen – das entspricht der Einwohnerzahl der gesamten EU. Außerdem wird derzeit die Infrastruktur Chinas für 170 Milliarden USDollar pro Jahr ausgebaut, was die Immobilienpreise ebenfalls beflügelt. Und trotz des Booms gelten die Preise international noch nicht als überteuert. Ein Zwei-Zimmer-Apartment in Shanghai – der teuersten Stadt Chinas – kostet etwa 250.000 US-Dollar, rund ein Viertel dessen, was Investoren in Manhattan für eine solche Wohnung hinblättern müssten.
Von Markus Gärtner