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EXPO REAL 2008 | 11. Internationale Fachmesse für Gewerbeimmobilien | 6. - 8. Oktober 2008 | Neue Messe München
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Hafenentwicklung
Der Reiz der Wasserlage

Die Revitalisierung von brachgefallenen Hafenarealen bietet vielen Städten die Möglichkeit, sich von innen heraus zu erneuern und zu erweitern sowie ihre Attraktivität zu steigern.


    Foto: Die Revitalisierung von Hafenarealen bietet die Möglichkeit, die Stadt zum Wasser hin zu öffnen, das Wasser wieder zu einem Element der Stadt zu machen. In Hamburgs HafenCity hat man daher bewusst die Wasserflächen in die Planungen miteinbezogen, um durch sorgfältig gestaltete öffentliche Räume und Plätze den Freizeit- und Erholungswert der Wasserlage zu steigern.

Wasser ist ein durchaus zweischneidiges Element. Es kann lebensbedrohlich sein, wie die jüngste Flutkatastrophe in Südostasien überdeutlich vor Augen führte, es übt zugleich aber auch eine ungeheure Anziehungskraft aus. Das beweisen nicht nur die zahlreichen Urlaubszentren, die sich mehrheitlich an Küsten und Seen befinden, auch die Tatsache, dass Venedig als eine der schönsten Städte der Welt gilt, hängt nicht nur mit seinen historischen Bauten zusammen, sondern auch und vor allem mit seiner Lage am Wasser. Dabei ist die Lagunenstadt keineswegs die einzige, die am Wasser gegründet wurde - im Gegenteil: Betrachtet man historische Karten Europas, so stellt man sehr rasch fest, dass die ältesten europäischen Städte, die im Laufe der Jahrhunderte zu Macht und Reichtum kamen, an Flussläufen und in der Nähe zum Meer liegen und Hafenstädte sind. Die Häfen sind nach wie vor ein wirtschaftlicher Schwerpunkt von Städten wie zum Beispiel Amsterdam, Oslo oder Hamburg, doch haben sich in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg die Bedingungen für den Personen- und Gütertransport nachhaltig verändert. Mit dem Schiff reist man heute allenfalls zur Erholung und zum Vergnügen, kurz: Seereisen sind inzwischen "Luxus".

Der Gütertransport dagegen ist keineswegs geringer geworden, im Gegenteil: Immer größere Schiffe transportieren immer größere und zahlreichere Container, die in den Häfen möglichst schnell umgeschlagen werden müssen. Das erforderte immer längere Kaimauern sowie tiefere Fahrrinnen und größere Wendebereiche für die Containerriesen, so dass sich die ursprünglichste aller Hafenfunktionen zunehmend an neue Standorte verlagert, die den heutigen Anforderungen gerecht werden. Die Folge ist, dass in allen Hafenstädten oft riesige Flächen nicht mehr genutzt werden und brachfallen.

  

 
 
Fotos: Hamburgs HafenCity grenzt direkt an die Innenstadt an und soll diese um rund 155 Hektar erweitern. Entsprechend sieht das Planungskonzept eine urbane Mischnutzung vor. Dazu gehören auch kulturelle Einrichtungen wie das architektonisch ehrgeizige Projekt der Elbphilharmonie (links). Durch ihre prominente Lage auf einer Kaispitze wird sie eine weithin sichtbare Landmark der HafenCity sein.

Von dieser Entwicklung blieb und bleibt keine Stadt mit einem Hafen verschont - gleichgültig, ob es sich um einen See- oder Binnenhafen handelt. Was zunächst für die jeweilige Stadt eine mittlere Katastrophe ist - zum einen fallen Arbeitsplätze weg, zum andern entwickeln sich die brachfallenden Areale oft zu sozialen Brennpunkten -, bietet andererseits immense Chancen und Möglichkeiten. Und Städte, die heute die Aufgabe anpacken (müssen), ihre Hafenareale zu revitalisieren, haben zumindest den Vorteil, sich Beispiele wie Boston, Baltimore, San Francisco oder New York, wie Sydney und die Docklands in London sowie erst in jüngster Zeit erfolgreich abgeschlossene oder kurz vor der Vollendung stehende Entwicklungen wie Barcelona, den Osthafen in Amsterdam, die innerstädtischen Hafenareale in Kopenhagen oder Ruohalaati in Helsinki anschauen und Anregungen übernehmen zu können.

Zu den Chancen, die die aufgelassenen Hafenareale bieten, gehört die Möglichkeit, die Innenstadt zu erweitern und zum Wasser hin zu öffnen. Denn fast immer wurden die Häfen in relativer Nähe zum Stadtzentrum angelegt und hatten meist zur Folge, dass sie die Stadt vom Wasser abschnitten. Dass ein solcher Riegel zwischen der Stadt und dem Wasser nicht erst heute, sondern schon vor Generationen als nachteilig empfunden wurde, beweist ein Ausspruch des ehemaligen Stadtplanungsdirektors von Oslo, Harald Hals, der bereits 1929 feststellte, dass die norwegische Hauptstadt ihrem schönsten Juwel, dem Fjord, den Rücken zudreht. In Amsterdam, wo sich noch zusätzlich der Bahnhof und die Bahngleise zwischen Stadtzentrum und die Hafenareale am Ij schieben, empfand man diese Trennung wohl weniger stark, denn - so der niederländische Architekt Kees Christiaanse, der nicht nur in das Waterfront Development in Amsterdam, sondern auch in Hamburg und in Oslo involviert ist - für den Amsterdamer befanden sich die Wasserlagen entlang der Grachten und Kanäle. Das Thema Innenstadterneuerung wurde daher zunächst auch nur auf den Stadtkern bezogen.

Inzwischen hat man hier wie andernorts erkannt, dass Hafenrevitalisierungen vor allem dazu beitragen können, den Innenstädten jene Urbanität zurückzugeben, die ein Kennzeichen der europäischen Stadt und oftmals durch die (Fehl-)Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte auf der Strecke geblieben ist. Die Areale sind groß genug, um eine Vielzahl von Nutzungsarten zu gestatten: vom innerstädtischen Wohnen über gewerbliche Nutzungen, für Einkaufsmöglichkeiten sowie für kulturelle und Freizeiteinrichtungen.

Osthafen Amsterdam

Als es um die Revitalisierung der seit den 60er und 70er Jahren brachgefallenen Kai-Inseln im östlichen Hafengebiet und am südlichen Ufer des Ij ging, ergriff die Stadt Amsterdam einerseits die Chance, das Gebiet als innenstadtnahes Wohngebiet auszuweisen. Insgesamt entstand auf den Inseln Borneo, Sporenborg, Java und KNSM Wohnraum für rund 18 000 Bewohner - Reihen- und Apartmenthäuser zur Miete und zum Eigentum.

    Fotos: In Amsterdam nutzte man die brachgefallenen Kai-Inseln des Osthafens vor allem dazu, innerstädtischen Wohnraum zu schaffen und so die Wohnungsnot in der Stadt zu lindern. Auf der Java-Insel durchziehen - in Anlehnung an die Grachten der Amsterdamer Altstadt - Kanäle die Wohnviertel.

Andererseits wurde eine Funktionsmischung gezielt in die Planungen an der Osterlijke Handelskade am Südufer des Ij als dem letzten Teil des östlichen Hafenareals aufgenommen. Hier verwandelten sich alte Speicher und Lagerhäuser in Lofts, Büroräume, Geschäfte und Klubs und entstanden daneben und zum Teil auch darüber neue Gebäude, deren Funktionsspektrum vom sozialen Wohnungsbau bis zu exklusiven Penthäusern, vom Kreuzfahrtterminal über Hotels bis zur Konzerthalle und von kombinierten Wohn- und Arbeitseinheiten für junge Unternehmensgründer bis hin zu repräsentativen Büros reicht.

Fotos: In Oslo erstreckt sich die künftige Fjord City über rund zehn Kilometer Küstenlänge. Daher ist für jedes der künftigen Quartiere ein eigener Anziehungs- und Kristallisationspunkt vorgesehen wie beispielsweise in Vestbanen das Nobel Friedenszentrum sowie ein Kinokomplex, ein Museum und eine Bibliothek.  

HafenCity Hamburg

Während in Amsterdam die Neuentwicklung des Osthafens bereits in den 70er Jahren begann und auf den Kai-Inseln 2003 abgeschlossen war - das Südufer des Ij geht zurzeit seiner Vollendung entgegen -, liegt der Beschluss der Hamburger Bürgerschaft, die HafenCity zu entwickeln, erst acht Jahre zurück. Dennoch ziehen schon die ersten Mieter und Eigentümer in die neuen Büros und Wohnungen am Sandtorkai ein und sind am Dalmankai die Grundstücke vergeben, auf denen bis 2008 rund 650 Wohnungen entstehen sollen. Insgesamt umfasst das Areal der neuen HafenCity rund 155 Hektar, davon sind etwa ein Drittel Wasserfläche. Da das Areal seit der Auflassung des ehemaligen Freihafens mit der historischen Speicherstadt direkt an die Innenstadt angrenzt - das Rathaus ist nur 800 Meter entfernt, der Hauptbahnhof etwas mehr als einen Kilometer -, sieht das Entwicklungskonzept eine in jeder Hinsicht urbane Mischnutzung vor. Geplant sind rund 5 500 Wohnungen sowie Dienstleistungsflächen, auf denen 40 000 Arbeitsplätze entstehen sollen. Zudem ist die architektonisch auf einem alten Kaispeicher aufsetzende Elbphilharmonie geplant, die - ähnlich dem Opernhaus in Sydney - eine "landmark" der HafenCity werden soll. Das Herz der HafenCity bildet jedoch das Überseequartier, ein eigenes Citycenter mit Kreuzfahrtterminal, Hotels, Einkaufsmöglichkeiten sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen, darunter, dem maritimen Charakter der HafenCity entsprechend, ein Edu-Entertainmentcenter rund um das Thema Meere. Lange Zeit in der Diskussion war die Anbindung der HafenCity an den öffentlichen Nahverkehr. Inzwischen ist auch diese Frage entschieden: Das Hamburger U-Bahnnetz wird um eine Linie erweitert, die ab 2011 vom Jungfernstieg in die HafenCity führen soll.


    Fotos: In Bjørvika, dem größten Entwicklungsgebiet der Fjord City in Oslo, soll 2008 das neue Opernhaus der Stadt eröffnet werden. Bis dahin werden auch die ersten Büro- und Wohngebäude entstanden sein.

Fjord City Oslo

Dass solche umfangreichen Stadtentwicklungsmaßnahmen nicht von heute auf morgen bewältigt werden können, ist offenkundig. In Hamburg rechnet man mit einem Zeitraum von 20 bis 25 Jahren, wobei nicht zuletzt auch die konjunkturelle Entwicklung eine Rolle spielt. In Zeiten der Hochkonjunktur finden sich nun mal Investoren leichter als in wirtschaftlich eher schwierigen Zeiten.

Unter diesem Gesichtspunkt startet Oslo mit seinem Waterfront Development Projekt Fjord City zum richtigen Zeitpunkt. Das norwegische Wirtschaftswachstum gewinnt an Dynamik, der Immobilienmarkt zieht erneut an. Anders als in Amsterdam und Hamburg, wo die Hafenareale ein relativ kompaktes Gebiet sind, erstreckt sich die künftige Fjord City über eine Länge von rund zehn Kilometern entlang der Buchten Oslos. Von den insgesamt 225 Hektar Fläche liegen für 85 Hektar bereits detaillierte Pläne vor, für die anderen 130 Hektar steht eine Entscheidung noch aus. Die ersten Areale, die bereits geräumt sind und entwickelt werden sollen, sind Bjørvika, Tjuvholmen und Vestbanen. Durch die Lage der neu zu nutzenden Areale entlang der Buchten wird die Fjord City nicht ein Zentrum wie das Überseequartier in der Hamburger HafenCity haben, sondern ist für jedes der Entwicklungsgebiete ein eigener Anziehungspunkt vorgesehen. In Bjørvika, mit 69,6 Hektar das größte Entwicklungsgebiet der Fjord City, das in unmittelbarer Nachbarschaft zum Haupt- und Busbahnhof liegt, entsteht derzeit das neue Opernhaus von Oslo und ist als zweiter Anziehungspunkt auf dem in die Bucht hineinragenden Pier ein großes Aquarium geplant. Tjuvholmen ist eine rund 3,3 Hektar große Halbinsel, die sich an Aker Brygge anschließt, ein bereits in den 90er Jahren umgestaltetes Gebiet , das sich - vor allem in den Sommermonaten - zu einem der beliebtesten innerstädtischen Treffpunkte entwickelt hat. Anziehungspunkt wird hier ein Kunstmuseum inmitten eines Skulpturenparks auf einer kleinen künstlichen Halbinsel sein. Und in Vestbanen, einem 7,7 Hektar umfassenden ehemaligen Bahnareal, das an das Rathaus, Akershus Festung und Aker Brygge grenzt, soll in diesem Jahr die Umnutzung des ehemaligen Stationsgebäudes als Nobel Friedenszentrum fertig gestellt werden und sind ferner eine Bibliothek, ein Museum und ein Kinokomplex vorgesehen. Um diese "Kristallisationspunkte" herum sind Wohn- und gewerbliche Nutzungen geplant.

Von Marianne Schulze





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