Von Christian Himmighoffen
Das politische Klima zwischen der Türkei und Europa hat sich eingetrübt, und der Streit um die Wahl eines neues Staatspräsidenten stürzte die Türkei zuletzt in eine schwere innenpolitische Krise. Doch die türkische Wirtschaft läuft weiter rund und lockt ausländische Investoren an.
Die politischen Beziehungen zwischen Ankara und Brüssel sind in unruhigeres Fahrwasser geraten, und der Streit um die Wahl eines neuen Staatspräsidenten stürzte die Türkei im Frühjahr in eine schwere innenpolitische Krise. Doch dem rasanten Aufschwung am Bosporus tun die innen- und außenpolitischen Querelen offenbar keinen Abbruch: Im vergangenen Jahr wuchs die türkische Wirtschaft um 6,1 Prozent, und für 2007 prognostiziert die OECD ein Wachstum von 5,7 Prozent – mit steigender Tendenz: Im Zeitraum 2008 bis 2012 soll die türkische Wirtschaft nach Einschätzung der OECD-Experten um durchschnittlich 7,2 Prozent pro Jahr wachsen.
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Istanbul erstreckt sich über beide Seiten des Bosporus und steht damit gleichsam mit einem Bein in Europa, mit dem anderen in Asien. Diese Rolle zwischen den Welten gilt auch für die Türkei insgesamt, deren Geschichte teilweise eng mit der Europas verbunden ist, die andererseits aber dem islamischen Kulturkreis angehört.
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Die türkische Wirtschaft befindet sich in einem Prozess der Öffnung und Modernisierung, zu dem auch die ausländischen Investoren beitragen. Neue Branchen gewinnen an Gewicht, und die türkischen Unternehmen werden internationaler. Die Automobil- und Zulieferindustrie hat die traditionelle Textilund Bekleidungsbranche, die unter der chinesischen Konkurrenz zu leiden hat, als wichtigste Exportbranche abgelöst. Der Maschinenbau ist bereits der drittwichtigste Exportzweig: Trotz der starken internationalen Konkurrenz erhöhte sich die lokale Produktion im vergangenen Jahr um rund 14 Prozent, und die Ausfuhren kletterten um fast ein Viertel. Der Export ist inzwischen zur treibenden Kraft des Wirtschaftsaufschwungs geworden: Während die Binnennachfrage etwas an Schwung verloren hat, kletterten die türkischen Ausfuhren im ersten Halbjahr 2007 um 24 Prozent auf knapp 50 Milliarden US-Dollar.
Immer mehr türkische Unternehmen wagen zudem den Schritt ins Ausland: „Es ist ein relativ neues Phänomen, dass türkische Unternehmen ins Ausland gehen“, sagt Marc Landau, Geschäftsführer der Deutsch-Türkischen Industrieund Handelskammer (DTIHK) in Istanbul. So erwarb der türkische Elektronikriese Beko vor drei Jahren gemeinsam mit einem britischen Partner den insolventen Fernsehhersteller Grundig, und die Eczacibasi-Holding übernahm im Frühjahr die Mehrheit an der Fliesensparte von Villeroy & Boch. „Die Großen haben verstanden, dass sie Marken aufbauen müssen“, ergänzt Marc Landau. „Die Türkei öffnet sich“, bestätigt auch Arnold Hornfeld, der mehrere Jahrzehnte für Siemens in der Türkei tätig war und nun den Energie-Ausschuss des türkischen Unternehmerverbands TÜSIAD leitet: „Die Türkei ist wirtschaftlich gesehen schon in der EU.“